Bill war über Jahrzehnte mit dem Mittelhof eng verbunden :
Als hauptamtlicher Mitarbeiter von 1975 bis 1993 , als Vorstands-und Arbeitsausschussmitglied Anfang der 70er Jahre, als Quäker-Mitarbeiter für Internationale Angelegenheiten von 1968 -1973 und nicht zuletzt als Mieter in der Kate, wo er mit seiner Frau Hanne (Mitgründerin des ersten Berliner Geburtshauses) und seinen drei Kindern von 1968 bis 1980 lebte.
Als Gemeinwesenarbeiter für die damals geplante Siedlung „Düppel-Nord“ trat er ein schwieriges Erbe an – die mit großem Elan arbeitende Bürgerinitiative wollte zusammen mit dem Nachbarschaftsheim Mittelhof und der evangelischen Kirchengemeinde Schlachtensee durch eine städtebauliche Anwaltsplanung die Fehler der Großsiedlungen Gropiusstadt und Märkisches Viertel vermeiden ; nach jahrelangen Rechtsstreitigkeiten auch mit den damals noch zuständigen US-Behörden mussten die ursprünglichen Vorhaben aufgegeben werden.
Bill trat die Flucht nach vorne an und initiierte ein für den Mittelhof gänzlich neues Arbeitsfeld : „Hilfen für straffällige Jugendliche“ in Kooperation mit der Jugendgerichtshilfe Zehlendorf. Bill war über 14 Jahre Leiter und erster Ansprechpartner für Jugendliche, die hier ihre richterlich angeordneten „Freizeitarbeiten“ abzuleisten hatten. Manche kamen über ihre Pflichtstunden hinaus noch lange Zeit weiter in das Projekt, weil sie mit Bill oft zum ersten Mal auf jemand gestoßen sind, der ihnen ernsthaft zuhörte, sich Zeit nahm und oft in Verbindung mit handwerklicher Arbeit sie auf dem Weg einer Neuorientierung begleitete. In der Fahrradwerkstatt, der Schreinerei und der Druckerei wusste er oft auch die „schwer Erreichbaren“ in die Arbeitsaufträge einzubeziehen – mit Beharrlichkeit und ehrlichem Interesse an jedem einzelnen.
Bill wurde 1929 in Richmond (Indiana) als Sohn eines Pfarrers und Soziologen geboren, der u.a. junge Männer zur Durchsetzung ihres Rechtes auf Kriegsdienstverweigerung beriet. Bill verbrachte 10 Jahre von 1935 bis 1945 seine Schulzeit an einem Quäker-College in North-Carolina „ allein unter schwarzen Mitschülern“. Schon mit 14 Jahren trat er den Quäkern bei und war nach dem Krieg an zahlreichen Workcamps und UNRA -Einsätzen(Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen) in mehreren europäischen Ländern beteiligt. Im Rückblick mutete es ihn fast abenteuerlich an, wenn er erzählte wie er als siebzehnjähriger 1946 zusammen mit seinem älteren Bruder den Schiffstransport von 300 Pferden von Newport nach Bremerhaven begleitete, in Cherbourg per Hand Kohle verlud und Straßen rechts und links von Trümmern beräumte.
So war er auch 1951 zu einem kurzen Besuch im Mittelhof – vermutlich einer der letzten Zeitzeugen aus diesen frühen Tagen des Nachbarschaftsheimes.
10 Jahre später durchkreuzten die für Berlin und Deutschland schmerzlichen Ereignisse seinen Aktionsplan : Als Koordinator für den von den Quäkern getragenen Freiwilligendienst hatte er ein Treffen für den 15.August 1961 mit der FDJ in Ostberlin vereinbart, um die Möglichkeiten für ein Austauschprogramm mit westeuropäischen Jugendlichen auszuloten. Brücken zwischen Ost und West zu bauen und Gesprächskanäle zu öffnen, trieb ihn auch in verschiedenen Quäkermissionen im Jahrzehnt nach dem Mauerbau um.
Zeitlebens sah sich Bill als Teil der weltweiten Friedensbewegung und lebte seine Überzeugungen im praktischen Alltag – still , konsequent und nachhaltig. Gelegentlich wurde er aber auch laut, wenn ihn der Zorn über die Verbrechen der Mächtigen an der Zerstörung des Planeten überwältigte.
Der Mittelhof behält ihn als warmherzigen, engagierten Kollegen und Menschenfreund in guter Erinnerung.
Im Namen des Mittelhof e.V. verfasst von Gerd Schmitt (Vorstand)